Der 11. März 2009

 

Die Opfer von Winnenden


Amokläufer wollen unsterblich werden, indem sie andere töten. Wer ihnen diesen Wunsch nicht gewähren will, sollte sich an die Namen der Opfer erinnern. An diese hier:

Am 11. März um 9.30 geht Tim K., ehemaliger Schüler der Realschule Winnenden, in drei Klassenzimmer und schießt auf Lehrer und Schüler.

In der Klasse 9c treffen seine Kugeln Chantal S. , 15 Jahre alt, Kristina S. , gerade 16 geworden und Jana Sch. , 15 Jahre alt. Die drei Mädchen, die nahe der Tür sitzen, sind sofort tot; ermordet von K., der an diesem Tag beschloss, zu sterben und vorher so viel Leid wie nur möglich zu verursachen. Die Lehrerin und drei weitere Schüler werden verletzt.

Gleich zwei Mal rennt der Täter in die Klasse 10d, (...) wenige Räume weiter. Sechs Schüler sterben: Ibrahim H. , 17 Jahre alt, begeisterter Fußballer und trotz Krankschreibung in die Schule gekommen, um ein Deutschdiktat mitzumachen; Jacqueline H. , 16 Jahre alt, wollte Tierärztin werden; Victorija M. , 16 Jahre; Selina M. , 15 Jahre und ebenfalls leidenschaftliche Fußballerin; Nicole N. , 17 Jahre alt; Stefanie K. , 16 Jahre alt und begnadet auf der Querflöte.

Und K. versucht, in den Physikraum einzudringen. Sabrina S. , 24 Jahre alt, Referendarin und erst seit wenigen Wochen an der Realschule, will die Tür zuhalten, um ihre Schüler zu schützen. Zwei Schüsse töten sie.

Michaela K. , 26 Jahre alt, Lehrerin für Mathematik, Physik und katholische Religion und Nina M. , 24 Jahre alt und seit wenigen Monaten Referendarin an der Schule, begegnen dem Täter im Flur, als er vor der Polizei flieht. Mehrere seiner Schüsse treffen die beiden und töten sie. Michaela K. hatte zwei Monate zuvor den Polizisten Mario K. geheiratet. Er hört über Funk von der Tat, war einer der ersten Beamten in der Schule.

Franz J. , 57 Jahre alt, Junggeselle, Installateur und Techniker in der psychiatrischen Landesklinik Winnenden läuft dem Täter bei seiner Flucht über das Gelände der Klinik zufällig über den Weg. Er stirbt, von mehreren Kugeln getroffen.

Auf dem Parkplatz der Klinik steigt K. in ein Auto und bedroht den 41-jährigen Fahrer, Igor W. mit seiner Waffe. Er zwingt ihn, aus der Stadt zu fahren. W. ist der Einzige, der die Begegnung mit dem Schützen überleben wird, weil er den Wagen in einen Straßengraben fährt und hinausspringen kann.

Kurz nach zwölf rennt K. auf seiner Flucht ins Autohaus Hahn in Wendlingen und fordert mit vorgehaltener Waffe den Schlüssel für ein Auto. Einer der Verkäufer sagt, er müsse ihn erst holen. Der Täter verliert die Geduld und feuert auf Denis P. , 36 Jahre alt, geboren in Kroatien, Autoverkäufer, verheiratet und Vater einer einjährigen Tochter. P. stirbt, genau wie sein Kunde, Sigurt W. , 46 Jahre alt. Es sind die letzten Opfer des Amokläufers, der kurz darauf vor dem Autohaus von der Polizei gestellt wird und sich in den Kopf schießt.

Kai Biermann

19. März 2009, 15:21 Uhr / Aktualisiert am 19. März 2009, 15:43 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“
(Wilhelm von Humbold, 1767-1835)

Nach oben →

KONTAKT

Email:
willkommen@ich-habe-einen-traum.eu